David Gelernter: Die Hände nicht in technologischer Unschuld waschen
Das Praktische, das Theoretische und das Kulturkritische gehören für Gelernter zusammen. „Es scheint mir wichtig, dass die Bürger ihre Hände nicht in technologischer Unschuld waschen. Viele erklären zu schnell: Ich verstehe diese Technologie nicht. Ich gebe mir aber auch keine Mühe, sie zu verstehen.“ Die Chancen einer solchen Anstrengung beurteilt er allerdings skeptisch: „Früher musste man einmal wissen, wo man welche Informationen findet. Was sich aber mühelos bekommen lässt, ist in den Augen anderer nichts wert. Wenn es mich nur ein paar Tastaturanschläge kostet, Wissen zu beschaffen, schätze ich es anders, als wenn ich erst nachdenken muss, wo ich es herbekomme. Womöglich hätte ich mit jemandem gesprochen oder ein Buch gelesen, das mich auf Dinge bringt, die ich gar nicht gesucht habe. Wie viele Studenten sagen sich heute: Um Himmels Willen, ich will gleich zum richtigen Absatz kommen, ich will mich nicht vom ganzen Buch ablenken lassen. Der Weg des geringsten Widerstands bringt zwar oft die größte wirtschaftliche Produktivität, aber er ist gefährlich für die Menschheit.“

